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Presseberichte zu Kultur- und Heimatvereins Niederzissen



Juden im Brohltal: Spurensuche



Ein Stück Geschichte: Der jüdische Friedhof in Niederzissen - Kultur- und
Heimatverein informierte Bürger vor Ort



Spurensuche


In aufwendiger Kleinarbeit haben Mitglieder des Niederzissener Kultur- und Heimatvereins Informationen über den Friedhof zusammengetragen. Am "Tag des offenen Denkmals" ließen sie Interessierte an ihrem Wissen teilhaben.
Beim "Tag des offenen Denkmals" war der jüdische Friedhof in Niederzissen ein Anlaufpunkt für historisch Interessierte. Alte Basalt-, Tuff- und Kunststeine, die nicht alle besonders standfest sind, erinnern auf dem steilen und unebenen Gelände an die Zeit, als das Brohltal noch eine starke Synagogengemeinde hatte. Brunhilde Stürmer vom Kultur- und Heimatverein Niederzissen berichtete über die Geschichte des Judenfriedhofs.

Experte übersetzte Inschrift

Der Kultur- und Heimatverein hatte einen genauen Plan des Friedhofs erstellt. Das war nicht einfach, da die Stein-Inschriften meist in hebräischer Schrift verfasst wurden und der Inhalt aufgrund von Verwitterung nur schwer zu entziffern war. Mit der Digitalkamera und der Bearbeitung am Computer konnte aber brauchbares Bildmaterial gewonnen und an Gerd Friedt, einen Fachmann für Übersetzung hebräischer Schriften, nach München geschickt werden.

Weitere Informationen erhielt Brunhilde Stürmer auf dem Standesamt der Verbandsgemeinde Brohltal und im Landeshauptarchiv in Koblenz. Gemeinsam mit dem Ortsbürgermeister wurde der Boden nach Resten der Inschrifttafeln durchsucht. So ergab sich schließlich ein umfassendes Bild.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Friedhof im Jahre 1763. Tote jüdischen Glaubens aus den Bereichen der Olbrück, Kempenich, Burgbrohl und Bürresheim wurden hier gegen eine Gebühr an die Olbrücker Herrschaft begraben. Königsfeld, das zeitweise zur Synagogengemeinde Niederzissen gehörte, besaß für Königsfeld, Dedenbach und Schalkenbach einen eigenen Friedhof. 1852 konnte die Synagogengemeinde Niederzissen nach langem Streit mit der Gemeinde den etwa einen Morgen großen "Judenkirchhof" erwerben. Das Grundstück ging bis zur Straße und war mit einer lebenden Hecke umfriedet. Hier wurden die Toten aus der gesamten Synagogengemeinde, aus den Orten Burgbrohl, Galenberg, Glees, Hain, Kempenich, Oberzissen, Niederzissen, Rieden, Spessart, Wehr, Weiler und Volkesfeld beerdigt. Der etwa 500 Gräber große Friedhof wurde während der NS-Zeit geschändet. Schon 1939 war das kunstvolle Eisentor verschwunden, Grabsteine wurden demoliert, Grabplatten zerschlagen. 1942 wurde auf dem Friedhof die letzte Tote beerdigt, nachdem Enteignung und Deportation die Zeit bestimmt hatten. Die Geschichte des Friedhofs setzt sich aber auch nach dem Krieg fort. Und hier zeigte Brunhilde Stürmer eine weitere unrühmliche Phase in der Ortsgeschichte auf. Niederzissen wollte Firmen im Ort ansiedeln, erwarb 1956 das Friedhofsgelände und teilte es dann zwei Jahre später. Die noch in Ordnung gebliebenen Grabstelen wurden vom unteren in den oberen Teil des Friedhofes versetzt. 1959 erwarb die Firma Blasberg, die nebenan ansässig geworden war, diesen unteren Teil.

Als Baugrundstück genutzt


Im oberen Teil mit 1167 Quadratmetern und 20 Originalgräbern befindet sich der heutige jüdische Friedhof. "1983, bei der Flurbereinigung, hätte man den Friedhof wieder in seine ursprüngliche Form bringen können", erklärte Brunhilde Stürmer. "Stattdessen wurden aus dem unteren Gelände zwei Baugrundstücke gemacht, 1986 sogar Garagen darauf gebaut." Die 86 Grabsteine für 91 Verstorbene sind ostwärts gerichtet, also Richtung Jerusalem. Vier weitere allerdings wurden 1958 falsch herum aufgestellt. Zwei Gedenksteine für ermordete Familienangehörige, ebenfalls westwärts gerichtet, ergänzen das Bild.
"Was ich auf diesem Friedhof vermisse", erklärte die Vortragende abschließend, "ist ein Gedenkstein für die während der NS-Zeit ermordeten Menschen jüdischen Glaubens. Vielleicht dient der heutige Tag dazu, darüber nachzudenken." (chb)