Presseberichte zu Kultur- und Heimatvereins Niederzissen


Die Synagoge von Niederzissen
Besichtigung durch den Kultur- und Heimatverein



chb. "Ein wichtiger Punkt für das Wirken des Kultur- und Heimatvereins ist die Erforschung der jüdischen Geschichte Niederzissens sowie der Erhalt und die Pflege des jüdischen Erbes", erklärte Vorsitzender Richard Keuler. Dies machte der Verein bereits durch die Vorstellung des jüdischen Friedhofs im September 2007 sowie die Rückführung und Aufstellung des Grabsteines Feit im darauf folgenden Monat deutlich. Ein weiterer Punkt war die Vorlage eines Konzepts an den Gemeinderat, wie ein Erwerb der Synagoge und die anschließende Nutzung angegangen werden könnte.
Eine Entscheidung hat der Niederzissener Gemeinderat noch nicht gefällt, nutzte aber entsprechend am 16. Februar eine Besichtigung der Synagoge zur weiteren Meinungsbildung. Die Eigentümerfamilie Blankart hatte dem Kultur- und Heimatverein das Gebäude hierfür zur Verfügung gestellt. Das lockte auch interessierte Bürger an, zu denen auch Landtagsabgeordneter Guido Ernst und Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bersheim gehörten.
Einen historischen Rückblick gab Vorstandsmitglied Brunhilde Stürmer, die unter anderem die Entwicklung des jüdischen Lebens in der Gemeinde näher beleuchtete. Natürlich wusste sie auch zur Geschichte der Synagoge einiges zu berichten: "1838 erwarb die jüdische Gemeinde das Grundstück in der Mittelstraße, was mit einer Scheune und einem Haus bebaut war. Die Scheune wurde abgetragen und 1844 entstand an gleicher Stelle das Synagogengebäude." Auf einem Ortsplan von 1890 wird der Bereich dann schon als "Judengässchen" bezeichnet - die umliegenden Häuser waren alle von Juden bewohnt.


Im Folgenden erzählte Brunhilde Stürmer: "1938 wurde in der Reichskristallnacht gegen Morgen die Synagoge geschändet und im weiteren Verlauf wurden die Juden gezwungen, das Anwesen zu verkaufen. Im November 1939 erwarb die Familie Blankart das Anwesen und nutzte das Gebäude als Schmiede. 1949 wurde im Zuge der Wiedergutmachung dieser Vertrag für nichtig erklärt und 1951 erwarb die Familie Blankart das Anwesen aufs Neue." Alfons Blankart, der als 14-jähriger die Ereignisse der Reichskristallnacht in Niederzissen miterlebt hatte, berichtete den Besuchern zudem von seinem Erlebten.
Und auch zu sehen gab es einiges. So gaben Bilder einen Eindruck aus vergangener Zeit und Brunhilde Stürmer stellte einige religiöse Gegenstände vor, die sie auf dem Speicher der Synagoge geborgen hatte. Einmalig in Deutschland befindet sich dort eine Genisa, die noch allerlei Gegenstände beinhalten dürfte. "Es könnte sich auch das Memobuch von 1250 dort befinden. Diese Genisa müsste unbedingt von einem Fachmann eingesehen und geborgen werden."

 

Besichtigung